Der Ghostwalk zu Graetz |
| am 08 Nov 2009 |
Für die Kelten, die ja auch in unseren Breiten lebten, war Samhain das größte und wichtigste Fest im Jahreskreis, dem niemand fernbleiben konnte. Das Tor zur "Anderswelt" war in dieser Zeit geöffnet und die Toten durften ihre lebenden Verwandten und Freunde besuchen und ihnen dabei Glück bringen. Zugleich stand während Samhain die Zeit still und so konnte das Fest konnte auch schon mal zwei Wochen dauern. Ein Fest der Freude war es, bei dem viel gelacht, gesungen, gegessen und getrunken und auch geheiratet wurde, und es hatte nichts zu tun mit dem Trauertag, den die katholische Kirche später daraus gemacht hatte...
Zurück in die Gegenwart: Unter der Organisation von McSchuly nahmen wir an einem Ghostwalk durch die Grazer Innenstadt teil. Ein professioneller Führer und Erzähler empfing uns am Franziskanerplatz und begann gleich an dieser Stelle mit Geschichten, deren Wahrheitsgehalt wir gar nicht erst überprüfen wollten. Etwa die des jungen Leutnants, der ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau begann und deren betrogener Ehemann ihn im Kampf mit dem Schwert durchbohrte und so tötete. Um die Leiche verschwinden zu lassen, zerteilte er den Toten, löste das Fleisch von den Knochen und verstaute alles in getrennten Säcken, die er unter seinem Bett vorläufig versteckte. Erschöpft von dieser Tat warf er sich auf das Bett. Sein großes Gewicht auf der dünnen Matratze drückte auf einen der darunterliegenden Säcke und ein großer Knochen sprang heraus, traf das neben dem Bett liegende Schwert und dieses wurde hoch in die Luft geschleudert. Beim Herabfallen durchstieß es die Brust des betrogenen Ehemanns und Mörders und nagelte ihn mitsamt dem Bett an den Boden.
Geschichte um Geschichte hörten wir, eine grausiger als die andere: Jungfrauen wurden zu Saft gepresst, Menschenfleisch faschiert und in Würste verarbeitet und so weiter und so fort... Schließlich gegen Ende der Tour erreichten wir das Portal einer großen Bäckerei in der Hofgasse und lauschten frierend der Beschreibung einer Tat, die ein Bäckermeister in vergangenen Tagen an seiner ständig plappernden Frau begangen hatte. Einige aufeinanderfolgende Feiertage bildeten den passenden Rahmen für seine Erklärung an die Nachbarn, derzufolge seine Frau gerade einige sehr entfernt wohnende Verwandte besuchen wollte. Währenddessen erschlug er sie am frühen Morgen und trocknete ihre Leiche im größten seiner Backöfen langsam aus. Am Abend dann schleppte er die trockenen Überreste zu seiner eigenen Mühle und vermahlte diese zu einem feinen Pulver, das er unter das gewöhnliche Mehl für seine Brote und Kuchen mischte. Über die nächsten Tage hinweg lobten all seine Kunden den feinen Geschmack und die ungewöhnliche Lockerheit seines Gebäcks...

Von soviel Schauergeschichten erschöpft und von der nasskalten Witterung schon etwas unterkühlt, machten wir uns auf den Weg zurück ins Steirerpub, wo schon feine Würste und frisches Brot uns erwarteten....
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