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Das IWCA Herbsttasting in Graz

am 30 Nov 2009
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Die Zeitangabe c.t. interpretierten diesmal einige Teilnehmer recht großzügig und es bedurfter einiger Drams der Black Bottle aus unseren eisernen Beständen, um die Wartezeit angenehm zu gestalten ;-) 

Der Highland Park Capella starte schließlich den Abend offiziell als leichter (40%) Single Malt aus dem hohen Norden.  Die Orkney Inseln waren in der Vergangenheit  oft Schauplatz geschichtsträchtiger Ereignisse.  Im Norden der Hauptinsel wurde Mitte des 19.Jahrhunderts  Skara Brae, ein Dorf aus der Jungsteinzeit, durch einen Sturm aus dem Sand freigespült, das vor etwa 5000 Jahren möglicherweise durch einen Tsunami in den Dünen verschüttet worden war. Sorgfältig restauriert und zum Weltkulturerbe erklärt, ist Skara Brae heute die größte und am besten erhaltene Siedlung aus dieser Zeit in Europa.  Im Süden gibt es dagegen eine Sehenswürdigkeit aus der jüngeren Vergangenheit. Im zweiten Weltkrieg wurden etwa 500 von den Briten in Nordafrika gefangen genommene italienische Soldaten zur Zwangsarbeit auf den Orkneys verpflichtet. Innerhalb von drei Jahren bauten diese einen Damm, der eine Reihe von Inseln miteinander verbindet. Untergebracht in relativ bequemen Baracken und offenbar gut behandelt, beschlossen die Gefangenen  - unter ihnen Domenico Chiocchetti-  in ihrer kargen Freizeit eine Kapelle zu bauen. Diese Kapelle, in der Zwischenzeit mehrmals von Chiocchetti selbst und anderen liebevoll restauriert, ist heute als Erinnerungsstätte Ziel von Besuchern aus aller Welt. Zum 60. Jubiläum dieses Bauwerkes hat Highland Park eine eigene Abfüllung kreiert,  die mit 5400 Flaschen limitiert und anfangs nur in der Destillerie erhältlich war. Ein Abfüllung, die aus 12jährigen und 27jährigen Malts besteht und in der gekonnt eine leicht nussige Süße und frisches Malz mit dezenter Rauchigkeit verschmelzen.

Mit der neuen Version des 17jährigen Old Pulteny ging es weiter. Diese nördlichste aller Destillerien auf dem schottischen Festland zeichnet sich durch extreme Fruchtaromen in ihren Single Malts aus. Die Abfüllung erinnnert an Apfelmus mit Gewürzen und hinterlässt einen leicht salzigen Eindruck. Martine Nouet gibt diesem Malt beachtliche 9 Punkte und Dave Broom lässt sich mit 8 ¼ auch nicht lumpen. Zusammengefasst ein komplexer Whisky, der einen erfahrenen Geniesser erfordert.

Das Jahr 1968 war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und die Whiskyindustrie in Schottland hat in diesem Jahrzehnt  die wahrscheinlich besten Destillate, die heute noch erhältlich sind, produziert. Eine Abfüllung der Glenugie Destillerie aus diesem Jahr war der nächste Single Malt in der Reihe.  Über diese Destillerie an der Ostküste gibt es nicht viel zu sagen, außer dass sie nach ihrer Gründung am Anfang des 19.Jahrhunderts viele Jahre lang in Betrieb war und dann das Schicksal vieler Brennereien teilte, deren Produkte 100 Jahre später nicht mehr so gefragt waren. Immer wieder geschlossen und den Besitzer gewechselt arbeitete die Anlage nur mehr gelegentlich, bis sie 1985 endgültig geschlossen und dann auch gleich abgerissen wurde.  Unabhängige Abfüller haben noch Fässer, die von Zeit zu Zeit auf den Markt kommen.  So auch Gordon & MacPhail, die mit diesem Whisky sicherlich polarisieren. Hier einige Eindrücke von Martine Nouet: getostetes Brot, Bauernhof, Heustadl, nasser Hund auf der einen Seite und exotische Früchte, dunkle Schokolade und ein Hauch von Rauchigkeit dagegen auf der anderen Seite. Michael Jackson, vor zwei Jahren verstorbener Whiskypapst, sah das noch extremer:  der Whisky riecht wie Bertie Bassetta’s Hut (könnte interessant  sein, Bertie kennenzulernen…) und hat gleichzeitig die Aromen eines Früchtekuchens und Gewürztöne wie Fenchel und Lakritze….mit 7 ¼ bzw. 8 Punkte wurde er von beiden jedoch hoch bewertet und fand in unserer Gruppe ebenfalls großen Anklang.

Dann kam die Pause und mit ihr ein leichter mediterraner Snack. Es gab von Gerald vorbereitete Fleischbällchen „Cacciatore“, also in einer mit Oliven, Gemüse und anderen Köstlichkeiten zubereiteten Tomatensauce und natürlich hatte auch diese Stärkung etwas mit Whisky zu tun. In der Fleischmasse war genügend Talisker - Distillers Edition of course - um keine Entzugserscheinungen während der Pause aufkommen zu lassen.

Danach ging es weiter mit den rauchigen Abfüllungen: gleich zweimal Jura stand auf dem Programm. Zuerst mit 52% noch relativ gemäßigt die Sonderabfüllung zum Crinan Classic Boat Festival aus dem Jahr 2007. An diesem 4tägigen Spektakel kann jeder aktiv teilnehmen, der ein Holzboot sein eigen nennt. Crinan, ein kleines Dorf am Ende des gleichnamigen Kanals an der Westküste gelegen, ist nur einen Steinwurf weit von der Nordspitze Jura’s entfernt und gleich um die Ecke tobt der berüchtigte Corrywreckan Whirlpool, einer der drei größten Wirbelströme Europas, der bei Schlechtwetter selbst großen Schiffen zum Verhängnis werden kann. Es gibt Wettfahrten und jede Menge Unterhaltung auch für die Zuschauer. Als Sponsor dieser Veranstaltung ist es für die Destillerie selbstverständlich, eine Flasche Single Malt für jeden Teilnehmer im Überlebenspaket bereitzustellen.
Unser Whisky verbrachte 5 Jahre im amerikanischen Eichenfass und übersiedelte dann noch für 3 weitere Jahre in ein Oloroso Sherry Butt. Zarte Honigtöne am Anfang werden abgelöst von wuchtigem Torf – nichts für Zartbesaitete.
Der andere Jura, war noch heftiger. Ausgewählt von den Limburger Freunden der Whiskyfair, war schon 2004 ein fünfjähriger Single Malt aus dem Fass 144 mit 61,3% abgefüllt worden. Mit ein paar Tropfen Wasser, zeigte er plötzlich sein fruchtiges Bouquet, nicht ohne sich am Ende ebenfalls mit - etwas weniger diesmal – rauchigen Tönen zu verabschieden. Eine Granate, die Lust macht auf mehr von dieser Destillerie.
Der letzte Whisky des Abends  - unser „one-for-the-road“ Dram - war dann ein Caol Ila, aber kein gewöhnlicher. Thomas Krüger, ein Whiskyliebhaber wie wir, aber vielleicht ein wenig mehr verrückt, hatte schon vor Jahren seine Leidenschaft zum Beruf germacht und in Rendsburg die Whiskygallerie gegründet. Einige Zeit später hat er dann noch eines draufgesetzt und mit http://whiskyauction.com eine Plattform geschaffen, über die man fast alles was gut ist in der Whiskywelt ersteigern kann. Mit einer gewissen Vorliebe für Islay Malts ausgestattet, hat er unter dem Namen EIDORA eigene Abfüllungen herausgebracht, darunter auch Caol Ila’s. Aus der ersten Serie hatten wir noch eine Flasche übrig (eigentlich zufällig beim Aufräumen gefunden) und beschlossen, diese in unsere Herbstveranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes einfliessen zu lassen.
Eidora heavily peated – das sagt eigentlich schon alles aus. 1991 in Caol Ila destilliert und 2003 mit 56.5% abgefüllt, begeistert dieser Malt mit frischen Zitrusnoten, Vanille und Honig und einem endlos langen rauchigen Abgang. Ein würdiger Abschluß des Abends....wenn da nicht noch eine kleine Nosingprobe gewesen wäre....
Jim McEwan ist bekannt für seine Experimente bei Bruichladdich. Waren es in der Vergangenheit der Port Charlotte als erster rauchiger Laddie, oder Tests mit diversen Weinfässern aus Frankreich, dann der exzellente Octomore usw., hatte er vor einigen Jahren die Idee, Whisky vierfach zu destillieren, um eine Reinheit und Eleganz zu erzielen, die bei herkömmlicher Produktion so nicht erreicht werden kann. Mittlerweile ist dieses Baby, je zur Hälfte in neuen Eichenfässern und in amerikanischen Bourbon Barrels ausgebaut, 3 Jahre alt geworden und unter der Bezeichnung X4+3 mit 63.5% im guten Fachhandel erhältlich.  
Bei meinem letzten Besuch auf Islay im Sommer 2009 erhielt ich im Rahmen einer Audienz bei Jim die Möglichkeit, dieses Destillat zu kosten – und zwar so wie es im Fass war!  Jim reichte mir einen Kaffeelöffel voll mit einigen Tropfen dieses 80%igen Uisge beatha und der Vergleich mit einigen Zeremonien in der Kirche drängte sich mir auf...Am Ende bekam ich noch ein kleines Probenfläschen mit, um das Gute in der Welt zu verbreiten...
Und so geschah es....eine Nosingprobe wanderte von Teilnehmer zu Teilnehmer und ein intensiver Duft von Marzipan breitete sich aus. Es gab dann noch zwei oder Verwegene, die unbedingt auch noch richtig kosten wollten und letztendlich das Wasser des Lebens als erstaunlich weich und mild empfanden...

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