Glenfarclas Raritätenverkostung

 

Einmal im Jahr ist Zeit für alte, große Glenfarclas-Abfüllungen. Immer dann wenn Ian McWilliam nach Österreich kommt, um im Vorfeld des PotStill-Herbsttastings seine Schätze zu präsentieren. Waren es im letzten Jahr einige Fassproben, die  – so wohl niemals abgefüllt – eine einmalige Erfahrung waren, gab es heuer eine Reise durch die Jahre mit der Family Cask Reihe.

Glenfarclas 105 – ein ungewöhnlicher Beginn:  die 60%ige „Standardabfüllung“ kommt mit süßem Toffee überraschend weich und hinterlässt einen cremigen Nachklang. Von George Grant (der aus der 4.Generation der Familie) ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für die Farmer der Umgebung gedacht, hat sich dieser Single Malt als geniale Ergänzung zur übrigen Serie entwickelt.

Dann zwei Cask Samples, einmal aus dem Sherry Fass R12/2003 vor 5 Monaten als 9jähriger gezogen, durfte in einem kleinen Octave-Cask (ca. 50l)reifen. Das Ergebnis ist ein kräftiger Sherry-Ton, die 59.8% tun ihr übriges ….. die zweite Probe stammt aus einem Plain Cask (4.Refill-Bourbon Nr.1356), das am 17.4.2002 befüllt wurde. Die Probe wurde nach 10 Jahren am 20.6.2012 gezogen und zeigt, was aus einem Glenfarclas-Destillat werden könnte, wenn man es in Ex-Bourbon-Fässer länger reifen ließe …

Dann noch schnell die PotStill-Edition. Letztes Jahr von der Verkostungstruppe ausgewählt, und jetzt mit 50.5% ebenfalls aus einem Plain Cask (Hogshead Nr 130) abgefüllt. Es gibt 276 Flaschen davon und wer den vanilligen Getreideton im Whisky mag, wird begeistert sein.

Nach der Pause geht es ans Eingemachte: vier (4!) Family Cask Abfüllungen stehen bereit. Vom jeweiligen theoretischen Preis wollen wir nicht sprechen, denn von allen Ausgaben ist es die erste (R1) Edition und damit die jeweilige Urabfüllung.

Glenfarclas 1989, Family Cask 11721 R1, 60%:  die Farbe Mahagoni, die Nase erinnert an das Eintreten in einen Gewürzshop. Am Gaumen bleibt ein Hauch von Zartbitter-Schokolade übrig. Das war die allerletzte Flasche – abgefüllt am 1.3.2007 – im fast leeren Glas erschnüffelt man 30 Minuten später noch süße Zuckerwatte.

Glenfarclas 1974, Family Cask 5786 R1, 60.8%: zeigt ein süßes Fruchtaroma, wie von ganz reifen Mangos oder Papayas, sehr nussig dann am Gaumen. Von 5.7.1974 bis 28.2.2007 im Fass, das in einem der insgesamt 27 Dunnage Warehouses gelagert wurde. Trotz des relativ niedrigen Alkoholgehaltes von 63.5% beim Befüllen des Fasses hat der Whisky nach 33 Jahren kaum etwas verloren – die Engel waren gnädig!

Glenfarclas 1968, Family Cask 1316 R1, 65.1%: die allerletzte Flasche von Ian aus dem Besucherzentrum mitgebracht. Es gab einmal 483 Flaschen davon, die am 30.11.2006 aus dem Fass vom 8.3.1968 gefüllt wurden. Der hohe Alkoholgehalt macht sich bemerkbar, die Zunge wird trocken und bleibt für 10 Minuten unempfindlich. Trotzdem gilt hier: kein Wasser zugeben, nach 30 Minuten im Glas öffnet sich der Whisky und verteilt großzügig all seine Aromen.

Glenfarclas 1965, Family Cask 3861 R1, 60.0%: eine volle Dose Weihnachtskekse, wenn man die Nase hineinsteckt. Ein Whisky zum wegriechen, wie es nur wenige gibt. Die intensive Kombination von Nüssen und Schokolade macht den langen Abgang zu einem Erlebnis. 1965 war eben in jeder Hinsicht ein sensationeller Jahrgang …

Thank you Ian, guess this will be hard to top in 2013 🙂

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