Islay Festival Abfüllungen

 

Einige davon durften wir schon probieren. Die erste Gelegenheit ergab sich am 11.6. beim Treffen der Zigarrenrunde. Noch bevor die ersten Cohibas des Abends unter Feuer genommen wurden, konnten wir uns mit einem Islay-Blend aufwärmen. Bruichladdich Symphony No1Gleich vorweg, es ist kein Bruichladdich, es ist ein Jim McEwan Whisky. Symphony No1 ist sein Name und er schmeckt. Als Masterdistiller im Ruhestand hatte Jim jetzt Zeit und Muße genug, sich für das Festival (und den Open Day bei Bruichladdich) etwas Besonderes einfallen zu lassen. Man nehme gute Single Malts aus den Highlands, den Lowlands, der Speyside und natürlich von Islay, ergänze das Ganze mit reichlich Single Grain und lasse die Mischung  – und das ist jetzt nur unsere Vermutung – für einige Zeit in einem ehemaligen Weinfass reifen. Jim würde es eine Vermählung nennen. Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen, sondern auch schmecken lassen: eine fruchtige Nase, malzig am Gaumen und leicht süßlich mit einem Hauch Rauch im Nachklang, das ist ein Whisky für jede Gelegenheit. Vor allem die Mädels werden ihn mögen ;-)

Zeitlich hätten wir es nicht besser abstimmen können. Gerade lässt John Campbell, der Laphroaig-Destilleriemanager auf Twitter seinem Unmut freien Lauf, dass der Cairdeas 2013 als Abfüllung für die Friends of Laphroaig und nicht als eBay-Handelsobjekt gedacht ist, Laphroaig Cairdeas 2013 Stillebenals wir eine der direkt in der Destillerie auf Islay gekauften Flaschen öffnen und in der anwesenden Runde (tatsächlich alles “friends”) gemeinsam verkosten. Alleine die Farbe ist schon ein Genuss:  kupfer-rotgold, hell schimmernd in der Abendsonne. Dann Blutorangen oder Grapefruit in der Nase, fruchtige Trauben  – aber nicht süß – am Gaumen und schließlich der sehnlich erwartete Torf, der extrem lange bleibt.  Keine Frage, dass wir dieses Bild und einen entsprechenden Kommentar als Trost gleich an John “zurückgetwittert” hatten.

Finally Ardbog, der “Misthaufen” (was die eigentliche Bedeutung des Wortes “bog” im Gälischen ist). Was wurde von Moet Hennessey im Vorfeld nicht alles inszeniert, um der Abfüllung einen entsprechenden Auftritt zu verschaffen. Erst am Ardbeg-Day des Festivals, also am 1.Juni wurde diese Flasche in den Ardbeg-Botschaften Europas zeitgleich präsentiert. Zu kaufen gab es die Flasche zu einem vorher festgelegten Maximalpreis und nur in Kombination mit einem 10jährigen…nur Stunden später fanden sich auf eBay die ersten Angebote um bereits das dreifache…eine Unsitte, wie wir meinen…Ardbog Stillebenzurück zum Whisky: In der Nase – zum dritten Mal heute Abend – die fruchtigen Trauben. Auch diese Abfüllung hat ein (Port)Weinfass Finish mitgemacht. Scheint die große Mode in diesem Jahr auf der Insel zu sein :)   Aber auch hier passt alles: eine zarte süße am Anfang und dann der rauchige Hammer am Ende. Ein exzellenter Whisky, der das ganze Brimborium von einer Konzern-Marketingabteilung gar nicht notwendig gehabt hätte.

Die Zigarren blieben an diesem Abend dann doch etwas im Hintergrund …

 

 

Feis Ile – morgen geht’s los

 

Das offizielle Festival Programm beginnt ja schon am Freitag, die Destillerien starten ihre Events dann am Samstag.

Los geht es mit einem Eröffnungskonzert in Bowmore und parallel dazu mit einem Auftritt von Alan Anderson in Ardbeg – weiter unten ist eine kurze Kostprobe seiner Show zu sehen.  Schon traditionell die Party in Portnahaven am Samstag:  Clootie dumpling Ceilidh – Musik und Spass in der Einschicht bis Mitternacht. Jeden Tag dann irgendwo irgendetwas, meist Musik, Tanz, Geschichtenerzählen bis zum Final Fling am Samstag darauf in der Ramsay Hall in Port Ellen. Sportliche finden sich bei den an beiden Sonntagen stattfindenen Bowling Events ein, zuerst in Bridgend und dann in Port Ellen. Zwischendurch am Mittwoch ab 18:00 ein Texas Scramble Turnier auf dem Machrie Golfplatz  -  für das leibliche Wohl zwischendurch ist überall gesorgt.

Die Destillerien machen ihre eigenes Programm, immer in der gleichen Reihenfolge. Obwohl viele Events schon lange ausverkauft sind, gibt es einige Highlights, die noch zu buchen sind – hier nur ein Beispiel für jede Destillerie, das volle Programm gibt es hier nachzulesen:

Samstag, Lagavullin: Kitchen – Lagavullin Style  - tolle Cocktails von David Sinclair, Ex-Chefbarkeeper des (für Golfer) berühmten Gleneagles Hotels.   Achtung GRATIS, aber Anmeldung nötig!

Sonntag, Bruichladdich:  Party ab 12:30 –  für GBP 5,- gibt es 2 Drams, Musik ohne Ende u.a. von Skerryvore, Robin Laing, Dougie Gillespie u.a., dazu Hawaii-Cocktails und Islay Handwerk vom Feinsten.

Montag, Caol Ila:  was für Frühaufsteher: die Early Bird Tour um 07:00 mit der Chance als Erster die Caol Ila Festivalabfüllung vom Balkon des Managers zu genießen. Tagsüber dann The Monday Mix Up, mit den 3 C’s, Caol Ila, Cocktails und Canapes. Achtung GRATIS, aber Anmeldung nötig!  Für die Anreise gilt: keine Privatfahrzeuge erlaubt, alle müssen in Keills parken und das Gratis Shuttle (alle 30min) nehmen.

Dienstag, Laphroaig: da ist echt alles ausgebucht, vielleicht sind die Veranstalter ja wie in den letzten Jahren etwas flexibel und schieben die eine oder andere Tour noch ein. Auf jeden Fall hinschauen und den Cairdeas kaufen. Diese spezielle Festivalabfüllung war noch jedes Jahr etwas Besonderes.

Mittwoch, Bowmore: tolle Essen & Whisky Kombinationen tagsüber, falls noch verfügbar ist die Abendsession mit Rachel Barrie und Eddie McAffer (geht heuer noch in den Ruhestand) eine absolute Empfehlung.

Donnerstag, Jura: die Fähre von Port Askaig nach Jura ist wie immer GRATIS, und die bei der Masterclass angebotenen Abfüllungen reichen zurück bis in die 70er – wem das zu aufwändig ist, dem bleibt alternativ am

Donnerstag, Kilchoman: wo zwar offiziell auch schon alles ausgebucht ist, aber irgendwo zwischendrin geht sicher noch was, zumindest eine normale Tour, die Festival Abfüllung und zur Stärkung ein BBQ.

Freitag: Bunnahabhain, abgesehen von den üblichen Führungen durch die Endzeit-Anlage, sollte man nicht die Kochshow von Graham Harvey (Autor des Buches Whisky Kitchen) mit der Black Bottle versäumen. Für die Damen in der Runde:  wie jedes Jahr freuen wir uns auf die Jungs vom Bowmore-Schwimmclub, die ihre Sixpacks gerne beim Grillen der legendären Bunnahabhain-Burger zeigen :)

Samstag: Ardbeg: heuer der Ardbog-Day – ist für Hardcore Fans ohnehin ein Muss, für alle anderen ein abwechslungsreicher Tag, der mit den verrücktesten Aktivitäten der Insel sicher seinesgleichen sucht.

Zum Abschluß noch zwei Tipps für Islay-Besucher, die nicht so auf’s Geld schauen:

Dienstag 19:00 Bowmore: 1964 – The Year of Bowmore   -   dem ist nichts hinzuzufügen um GBP 150,-

Freitag 12:00 Lagavullin:  The Ultimate Islay Tour – Trip rund um die Insel (Lagavullin, Caol Ila, Port Ellen) mit Spezialverkostungen überall dort, Torfstechen mit Iain MacArthur, Verpflegung unterwegs und  – most important – die Festivalabfüllungen von Lagavullin und Caol Ila sind inklusive. Dauer 6 Std, GBP 325,-

Wir wünschen unseren Freunden aus dem Club, die schon dort oder auf dem Weg nach Islay sind ein schönes Feis Ile !

 

… und hier noch der versprochene Ausschnitt aus dem Programm von Alan Anderson

Ed Fringe 2012 Whisky For Dafties 9pm The Tron – Audience Taste Test Challenges

Kuriositäten

 

KilthockerKIlthocker

ohne Worte

Kommunistenwhisky

Es war irgendwann während der letzten Jahre des Ostblocks. Kommunistische Führer, die immer schon wussten, was (für sie) gut war, wollten unbedingt guten Whisky. Allerdings ohne durch Großeinkäufe den bösen Westen zu unterstützen. Daher die Idee, den edlen Stoff einfach selbst zu produzieren. Getreide gab’s genug, also wurde eine Destillerie in der damaligen Tschechoslowakei errichtet. Um es stilecht zu machen, wurde auch lastwagenweise Torf aus Schottland herangekarrt. Allein Glasnost und Perestroika machten den Planern einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Wegfall des Eisernen Vorhanges interessierte sich niemand mehr für Ost-Whisky und die Geschichte wurde vergessen. Bis jetzt. Aus den wiederentdeckten Lagern wird nun fleißig abgefüllt und das Destillat auch zu Wettbewerben geschickt, wo es nicht mal schlecht bewertet wird. Wer sich selbst davon überzeugen will:  unter dem Namen „Hammer Head“ findet man im großen Netz die eine oder andere Abfüllung im Verkauf

.

Whiskey aus der Waschmaschine

Die Produktion von Bourbon dauert im Vergleich mit schottischem Single Malt nicht besonders lange. Nach zwei Jahren ist der amerikanische Durchschnittswhiskey schon fertig (die hochwertigen älteren Abfüllungen lassen wir hier mal außer Acht). Aber sogar dieser zwei Jahre sind den Produzenten noch zu viel und der Grund für merkwürdige Praktiken.

Ein Whiskeyproduzent in Cleveland schafft es, ein Bourbon ähnliches Getränk in nur wenigen Tagen herzustellen. Besichtigen darf man seine technischen Einrichtungen dafür nicht, aber der Beschreibung nach handelt es sich um eine Art große Waschmaschine, in der das Destillat mit vielen Holzspänen unter hohem Druck herumgewirbelt wird. Wahrscheinlich im Schleudergang, daher ist das Ganze auch nach ein paar Tagen schon fix und fertig. Das echt Schlimme an der Geschichte ist, dass die Nachfrage nach “Cleveland Whiskey” angeblich viel größer ist, als die Produktion hergibt und der Hersteller jetzt schon an eine Ausweitung seiner Kapzitäten denkt. Na ja, so lange das Zeugs auf der anderen Seite des Atlantiks bleibt…

Whisky Geschichten

 

Ardbog

ArdbogDas ist kein Schreibfehler, sondern die Bezeichnung der diesjährigen Festivalabfüllung der Ardbeg-Destillerie. Die Silbe „bog“ steht im Englischen für Sumpf oder Moor und wird – und das ist in diesem Zusammenhang wenig einladend – auch als Vulgärausdruck für die Toilette verwendet.

Die Abfüllung besteht aus 10jährigem Whisky, der teils in Ex-Bourbon Fässern und teils in Ex-Sherry (Manzanillo) Fässern gereift ist. Mit 46% abgefüllt und ca. 55ppm Phenolgehalt wird er am (Ardbeg/Ardbog-Day) während des Islay Festivals und in den Ardbeg-Botschaften weltweit vorgestellt werden.  Die offiziellen Verkostungsnotizen klingen – na ja – interessant, hier ein Auszug:  „…Eindruck von urzeitlichen, salzigen Toorfmooren… …Noten wie Mokka, Nelken und sogar Sardellen konnten somit ebenso ihren Platz finden. Diese Gegensätzlichkeit von herzhaften und süßen Aromen verstärkt den typischen Charakter eines Ardbegs…“  Um ca. € 90 kann man sich ab 1.Juni dann selbst ein Bild machen.

 

Glenmorangie und die Pikten

Pictish SculptureAus der zum gleichen Konzern gehörenden Glenmorangie Destillerie in Tain wurde vor zwei Tagen eine 20 Tonnen schwere Sandsteinskulpur  zur ca. 300km entfernten Abfüllanlage in Livingston gebracht. Der Schotte Barry Grove hat das Kunstwerk in zweijähriger Arbeit aus 300 Mio Jahre altem Sandstein in reiner Handarbeit und im Auftrag des LVMH-Konzern geschaffen. Die Skulptur, die auf die Piktische Zeit (bis ca. 840 n.C.) Bezug nimmt, soll an die Highlander-Vergangenheit erinnern.

 

Scheidung unter Brüdern

Bereits vor einem Monat wurde die Nachricht veröffentlicht, jetzt gibt es die Details dazu: Der renommierte unabhängige Abfüller Douglas Laing wird geteilt. Die Brüder Stewart und Fred Laing wollen künftig getrennte Wege gehen, jeweils unterstützt von den eigenen Nachkommen (Bericht von STV Glasgow)

Stewart wird unter dem neuen Namen Hunter Laing & Co die Marken Old Malt Cask, Old & Rare Selection, House of Peers und Sovereign Single Grain vertreiben, während Fred die Alleinherrschaft über die bestehende Firma bekommt und die Marken Provenance, Director’s cut, Double Barrel, Premier Barrel, McGibbon’s und Big Peat weiterführt.

Sieht irgendwie  so aus, als ob ab jetzt einer die wenigen hochpreisigen Raritäten und der andere die zahlreicheren, aber auch etwas einfacheren Abfüllungen liefern wird…

 

Auszeichnung für Kilchoman

Machir Bay 2013Bereits zum zweiten Mal in Folge bekommt Kilchoman die Goldmedaillie für die Machir Bay Abfüllung. Nach 2012 (IWSC Gold Medal – Best in Class) nun auch 2013 bei der International Whisky Competition. 4- bzw. 5jähriger Whisky aus Ex-Bourbon Fässern wurde – teilweise mit 4wöchigem Sherry Finish – mit 46% abgefüllt. Uns erscheint die neue Version etwas leichter und subtiler als der Vorgänger, dessen Wuchtigkeit uns letztes Jahr enorm beeindruckt hatte.

 

Whisky Galore und kein Ende

SS Politician WhiskyViele kennen die Geschichte der SS Politician, die im Jahr 1941 auf dem Weg von Liverpool nach Jamaica vor der Hebrideninsel Eriskay in einem Sturm auf Grund gelaufen war – beladen mit 28.000 Kisten Whisky. Im Film Whisky Galore wurde dieses Ereignis nacherzählt und besonders die Rolle der Inselbewohner betont, die in einer Nacht- und Nebelaktion einen Großteil der Ladung bergen konnten und vor den Zoll- und Steuerbehörden erfolgreich versteckten.

Tatsächlich wurde außer einer Kiste mit acht Flaschen, die 1987 plötzlich auftauchte, nie auch nur eine einzige authentische Flasche aus der Ladung gefunden. Gerüchte allerdings gibt es nach wie vor viele. Zwei der acht Flaschen aus dem Nachlass eines Mannes in Aberdeenshire kommen jetzt bei Christie’s unter den Hammer. Erwarteter Auktionserlös ca. GBP 2.000,- Genießbar ist das Zeug (siehe Bild) mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr.

Gestern Abend: Whisky & Food

Interconti BarWenn Diageo einlädt, gibt es nicht viel zu überlegen. Noch dazu, wenn es um die Kombination von Whisky mit gutem Essen geht und der Ort des Geschehens das Hotel Intercontinental in Wien ist. Passend als Auftakt für die morgen startende Whiskymesse, hatte Diageo gemeinsam mit der Küche des Hotels eine spannende Kombination vorbereitet.

Interconti VorEs galt, drei Gerichte auf drei Single Malts perfekt abzustimmen. Den Auftakt bildete ein 12jähriger Singleton, der vor allem durch seine malzige Balance und leichte Fruchtigkeit auffiel. Dazu gab es eine Praline vom Stubenkücken an Haselnussmousse mit gelierter Pilzessenz. Eine ausgefallene Kombination, bei der die in der Praline verwendete dunkle Schokolade fast etwas zu intensiv für den eleganten Whisky war.

Im zweiten Akt, einem Jakobsmuscheltoast mit Parmesan und Algenpesto, musste die Balance zu einem 10jährigen Talisker gefunden werden. Diese Aufgabe wurde hervorragend gelöst. Das in feine Scheiben geschnittene Schalentier war nur ganz zart Interconti Hauptangebraten und erzeugte mit dem krossen Toast und dem leicht salzigen Pesto sofort einen Eindruck von Meer, Strand und Wind, der von der Zitrusfrische des Talisker und dessen kräftigen Jod- und Rauchtönen noch verstärkt wurde.

Als süße Variante wurde ein Macadamia-Nuss-Creme-Törtchen kreiert, das am Gaumen nur so hinschmolz. Der malzig-cremige Cardhu war die kräftige Ergänzung dazu.

Zum Käse – junger Manchego und kräftiger Blauschimmel – probierten wir noch einen 18jährigen Singleton und den wahrscheinlich besten Blend aus der Johnnie Walker Serie, den Platinum. Während der große Singleton-Bruder überraschend leicht zum weichen Spanier passte, war der Platinum gerade kräftig genug für den intensiven Schimmelkäse.

Alle Sinne wurden gefordert im schönen Ambiente der Intermezzo Bar, wo ein großartiger Pipers auch akustisch unterhielt – ein tolles Event.

Sinnvolle Volksbefragung

 

CasksEs gibt immer mehr von ihnen – die unabhängigen Abfüller. Sie sind das Salz in der Suppe der Whiskybranche. Wenn man die derzeit ca. 130 Destillerien in Schottland hernimmt und für jede im Durchschnitt 5-8 sogenannte Originalabfüllungen rechnet, kann man  – als ambitionierter Whiskyliebhaber  – diese vielleicht etwas mehr als 1000 unterschiedlichen Whiskies im Laufe einiger Jahre möglicherweise durchkosten. Erst die Präsenz der unabhängigen Abfüller macht aus der großen aber überschaubaren Anzahl von Single Malts eine für niemanden mehr bewältigbare Menge. So hatte noch vor einigen Jahren ein befreundeter Ardbeg-Sammler mehr als 500 unterschiedliche Abfüllungen alleine von dieser Destillerie in seiner Sammlung und – trotz seines Engagements – keine Chance, diese jemals komplett vollständig zu bekommen. Wer sind also diese Unternehmen, die zwar keinen Whisky produzieren, aber einzelne Fässer kaufen, diese in ihren Lagern reifen lassen und dann meist als Einzelfassabüllung und oft in Fassstärke auf den Markt bringen?

Es gibt alteingessene Abfüller, die eine lange Tradition als Weinhändler mitbringen und irgendwann auch begonnen haben, Whisky zu vertreiben. Gordon&MacPhail, Cadenhead und auch Douglas Laing (die es seit einigen Wochen in dieser Form leider nicht mehr gibt), gehören in diese Kategorie. Auch andere ambitionierte Firmen, wie Adelphi, A.D.Rattray, die Berry- und die Hart Brothers oder Duncan Taylor haben über viele Jahre hinweg den Destillerien bewiesen, dass sie Whisky richtig lagern und den besten Zeitpunkt für die Abfüllung gut beurteilen können, somit auch keine Gefahr für den guten Ruf einer Destillerie darstellen. Manche Abfüller setzen auf innvoative Konzepte, die eine deutliche Unterscheidung zu Mainstream-Abfüllungen bringt: Blackadder gehört dazu mit kompromisslosen Fassstärken, die absolut ungefiltert und ungefärbt in die Flaschen kommen, oder Compass Box und Wemyss, die beide das Aroma und den Geschmack der Abfüllung wichtiger als die Namen der Destillerien erachten. Auch relativ neuen Spielern gelingt es recht rasch eine breite Akzeptanz zu finden, wenn von Beginn an die Qualität passt, Carn Mor ist ein guter Vertreter dafür.

Natürlich gibt es auch weniger positive Beispiele, besonders wenn es darum geht, neben einem etablierten Namen noch auf einer “Billigschiene” den Markt zu befahren, die müssen wir aber hier nicht beim Namen nennen ;-)   Unabhängige Abfüller sind auch längst nicht mehr auf Schottland oder England beschränkt, sondern finden sich mittlerweile überall in Europa, sei es als “Gelegenheitstäter” oder als schon etablierter Händler mit eigener Clientel.

All diese Unternehmen warten jetzt darauf, bewertet zu  werden und zwar von uns, den Kunden und Whiskyliebhabern. Auf der Webseite von Worldwhisky.org kann jeder/jede Interessierte bis zu 3 Abfüllern eine Stimme geben – der aktuelle Zwischenstand wird sofort sichtbar.   Hier der Link dazu – einfach mitmachen, aber Achtung:  die Teilnahme ist einmalig, also gut überlegen, bevor man die Eingabe abschließt !

Bowmore 1966

 

Eddie McAfferdamit verbindet man für gewöhnlich einige 40jährige Abfüllungen dieser Destillerie, z.b. von Duncan Taylor. 1966 ist seit kurzem für Bowmore noch aus ganz einem anderen Grund ein wichtiges Datum. In diesem Jahr begann der heutige Destillerie-Manager Eddie MacAffer seine Karriere, in deren Verlauf er alle Stationen der Whiskyproduktion und -lagerung durchmachte. Vor etwa zwei Wochen durfte er nun eine besondere Auszeichnung entgegennehmen. Das Whisky Magazin kürte Eddie MacAffer zum Whisky Destillery Manager des Jahres 2013.

Es ist nicht nur eine Anerkennung für seine Arbeit, die er seit mehr als 40 Jahren in guten aber auch in herausfordernden Zeiten für Bowmore ständig leistet, sondern vor allem für seine vornehme zurückhaltende Art. Immer freundlich im Umgang mit vielleicht manchmal sogar lästigen Touristen, bricht seine Leidenschaft hervor, wenn das Gespräch auf Whisky kommt, und auch sein Stolz ist zu spüren, schon so lange für Bowmore zu arbeiten.

Wir durften mit Eddie schon in das “Allerheiligste” bei Bowmore schauen und von seltenen Wassern des Lebens kosten, die in dieser reinen Form nie abgefüllt und in den Handel kommen werden. Alleine dafür würden wir Eddie noch weitere Auszeichnungen  wünschen. Nur böse Menschen würden so eine Special-Warehouse-Tour in Zusammenhang bringen mit Eddie’s Wertschätzung für guten österreichischen Weißwein, den wir vorsorglich im Gepäck hatten ;-)

Congratulations Eddie, well deserved !

International Whisky Day

 

Michael JacksonAm 27.März 1942 wurde Michael Jackson geboren. Der spätere Whisky-Guru trat – als leidenschaftlicher Biertrinker – zuerst als Experte für die Kategorisierung von Biersorten in Erscheinung (The Beerhunter), bevor er sich dem Whisk(e)y in all seinen Ausprägungen zuwandte. Jackson hat vielleicht nicht die meisten, aber mit Sicherheit einige der wichtigsten Whiskybücher geschrieben. The Malt Whisky Companion gilt auch heute noch als Standardwerk. Bei seinen ständigen Reisen zu Whiskyevents rund um die Welt und den damit verbundenen Jetlag-Problemen bei Kurzaufenthalten, konnte es schon vorkommen, dass er mal kurz nachdenken musste, auf welchem Kontinent er sich gerade befand. Michael Jackson litt an der Parkinsonkrankheit und ist im Jahr 2007 verstorben. Einige seiner Kollegen aus dem Kreis der Whiskybuchschreiber haben sich zusammengetan und den International Whisky Day ausgerufen, der heuer bereits zum 5.Mal am 27. März begangen wird. Auf der Webseite internationalwhiskyday.org kann man sich darüber informieren und für diverse Parkinson-Stiftungen spenden. Ein kurzes Video im Harlem-Shake Stil wurde unlängst auf YouTube gestellt, wo man auch die Details über die Initiatoren und deren Motive nachlesen kann.

International Whisky Day Harlem Shake

Zum stillen Gedenken an Michael sollte heute jeder Whiskyliebhaber einen Dram genießen – ein 28jähriger Bunnahabhain ist meine Wahl.

Wasser im Bowmore

 

Darüber lässt es sich doch vortrefflich streiten:  darf oder soll sogar Wasser in den Whisky, oder ist schon der Gedanke daran ein Sakrileg? Rachel Barrie, Masterblender bei Morrison Bowmore sieht das Thema gar nicht eng. “Bowmore ist ein hochkomplexer Single Malt, der unter Zugabe von Wasser ganze Wellen von Aromen freigibt, eine neue Entdeckungsreise beginnt”, schwärmt sie. Jeder, der schon mal einige Tropfen Wasser einem Whisky zugesetzt hat, wurde Zeuge der physikalischen und chemischen Reaktionen. Das Wasser vermischt sich nicht sofort mit dem Alkohol, für kurze Zeit scheint es, als ob unterschiedlich durchsichtige Schlieren durch das Glas ziehen. Das Bowmore  WaterGemisch kühlt leicht ab und gibt dabei etwas Wärme an die Umgebung ab. Aromastoffe sind im Alkohol gelöst und durch das Senken der Alkoholkonzentration werden diese Aromen teilweise freigegeben und man bekommt plötzlich ganz neue Eindrücke in die Nase. Aber Achtung: dies ist eine einmalige Sache, was über die Nase erschnuppert wird, fehlt dann im Glas für den Gaumen. Besonders wenn zuviel Wasser zugegeben wurde, wird der Geschmack etwas flacher.

Bowmore TilterUm den Vorgang professionell ablaufen zu lassen, hat Bowmore den oben abgebildeten Wasserspender kreiert. Optisch dem Spirit Safe in der Destillery nachempfunden, spendet er einen ganz dünnen Wasserstrahl durch einen Hahn und tröpfelt nur – für die Vorsichtigen – aus dem anderen.  Gedacht für ausgewählte Bars in UK, Nordamerika und Asien, wird dieser Bowmore Water Safe wohl nicht den Weg in europäische  Bars und Pubs finden. Für den Hausgebrauch gibt es dann noch den Bowmore Tilter, der halbkardanisch aufgegängt, ebenfalls auf der einen Seite dünn rinnt und auf der anderen tropft …

Unkaputtbar und sinnfrei ? Männerspielzeug also…

 

Das kommt dabei raus, wenn einige Manager von Oakley (das sind die mit den Hi-Tec Sonnebrillen) mit Leuten der Macallen-Destillery bei einigen Gläsern Single Malt zusammensitzen: Ein Flachmann der anderen Art, aus Stahl, Carbon und Flugzeugaluminium, alles höchst funktionell zusammengebaut und im coolen Oakley-Design.  Der Preis von etwa € 700,- ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sicherheitshalber nur 100 Stück gebaut wurden. Zu beziehen über die Macallan-Webseite. Im Video werden die sinnfreien Einsatzmöglichkeiten dieses Männerspielzeuges klar herausgestrichen …

The Macallan x Oakley. Testing the Ultimate Flask for Whisky Aficionados